„Aller-Seelen-Ruhe“ – Neuer Ort des Gedenkens auf dem Domfriedhof Verden
Mitten auf dem Domfriedhof in Verden ist ein besonderer Ort entstanden: Zwei schlichte, mannshohe Stelen tragen die Inschrift „Aller-Seelen-Ruhe“, darüber spannt sich ein grünes Dach aus mächtigen Eibenzweigen. Hier finden künftig Menschen ihre letzte Ruhestätte, für die bisher nur anonyme Bestattungen möglich waren – Verstorbene ohne Angehörige oder ohne ausreichende finanzielle Mittel.
Die neue Grabstätte schafft einen würdevollen Ort des Erinnerns: Jede beigesetzte Person wird namentlich genannt, sichtbar für Freundinnen, Freunde, Bekannte und für die Öffentlichkeit.
„Wir wollen keinen vergessen und dies auch nach dem Tod sichtbar machen“, bringt Superintendent Fulko Steinhausen das Anliegen auf den Punkt.
Von einer Erfahrung zur gemeinsamen Idee
Den Anstoß für das Projekt gab eine Begegnung vor knapp fünf Jahren: Nach einer anonymen Beerdigung äußerte ein Betreuer Unbehagen über die fehlende Begleitung und den anonymen Abschied. Diese Erfahrung machte deutlich, was viele betrifft: Menschen, deren Lebenswege von Brüchen geprägt waren, erfahren selbst nach dem Tod Ausgrenzung. Ohne Ort des Gedenkens, ohne Namen, ohne Raum für Trauer.
Aus dem Kreis Betroffener entstand daraufhin der Wunsch nach einer würdevollen Alternative. Vertreter:innen des Lebensraum Diakonie, des Diakonischen Werks des Kirchenkreises Verden sowie der Kirchengemeinde St. Johannis nahmen die Idee auf und entwickelten sie gemeinsam weiter, unterstützt durch den Kirchenkreis Verden und die Stadt Verden.
Nach Klärung rechtlicher und organisatorischer Fragen konnte das Vorhaben schließlich umgesetzt werden.
Ein Ort für alle – unabhängig von Glauben
Der Name „Aller-Seelen-Ruhe“ wurde in einer Befragung im Umfeld des Lebensraum Diakonie ermittelt. Er fand breite Zustimmung, weil er Menschen aller Glaubensrichtungen ebenso anspricht wie Nicht-Gläubige.
Auf dem neu gestalteten Gräberfeld ist Platz für 144 Urnen. Die Kosten für die Anlage sowie für die Namensplättchen auf den Stelen trägt der Kirchenkreis Verden. Die beiden Stelen selbst wurden durch eine großzügige Spende des Verdener Krematoriums ermöglicht. Die Stadt Verden übernimmt weiterhin die Bestattungskosten auf dem bisherigen Niveau anonymer Beisetzungen.
Sichtbarkeit für Menschen, die sonst übersehen werden
Bürgermeister Lutz Brockmann betont die gesellschaftliche Bedeutung des Projekts: Gerade in einer Zeit, in der anonyme Bestattungen aus unterschiedlichen Gründen zunehmen, gewinnt ein solcher Ort an Gewicht. Allein im vergangenen Jahr wurden in Verden 15 Menschen auf Staatskosten beigesetzt.
„Aller-Seelen-Ruhe“ macht sichtbar, dass jeder Mensch Spuren hinterlässt – und dass jeder Name es verdient, genannt zu werden, wenn dies gewünscht ist. Anonyme Bestattungen sind weiterhin auf dem Friedhof in Dauelsen möglich.
Zugleich weist die neue Gedenkstätte auf eine wachsende soziale Herausforderung hin: Immer mehr Menschen sterben ohne tragfähige soziale Netzwerke.
Begleitung und jährliches Gedenken
Künftig sollen Beisetzungen auf der neuen Grabfläche begleitet werden können – durch Freund:innen, Bekannte oder Mitarbeitende der beteiligten Einrichtungen. Waren die Verstorbenen Kirchenmitglieder, wird die Beisetzung von einer Pastorin oder einem Pastor gestaltet.
Darüber hinaus ist einmal jährlich eine öffentliche Gedenkfeier geplant, bei der an alle im jeweiligen Jahr beigesetzten Menschen erinnert wird.
Mit der „Aller-Seelen-Ruhe“ ist in Verden ein Ort entstanden, der Würde, Erinnerung und Mitmenschlichkeit verbindet – getragen von Stadt, Kirche und Diakonie in gemeinsamer Verantwortung.