Suchtberatung - kommunal wertvoll

Nachricht Verden, 03. November 2020

Bundesweiter Aktionstag am 4. November

Mit einem bundesweiten Aktionstag wollen die Suchtberatungsstellen am 4. November auf ihre Arbeit aufmerksam machen. Unter dem Motto „Suchtberatung - kommunal wertvoll“ soll in Gesprächen mit der Politik vor Ort auf die Notwendigkeit einer stabilen, kostendeckenden und verlässlichen Finanzierung hingewiesen werden.

Aus diesem Anlass hatte die Fachstelle Sucht und Suchtprävention Ende Oktober die Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschusses des Kreistages Dr. Dörte Liebetruth zu einer Gesprächsrunde in ihre Räume in Verden eingeladen. Mit einem kurzen Vortrag stellten Heike Gronewold, Leiterin der Einrichtung und Kerstin Dohmeyer-Mehlan, stellvertretende Leiterin ihre vielfältigen Arbeitsfelder vor. Die Fachstelle ist Teil des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Verden und seit mehr als 30 Jahren an den Standorten Achim und Verden vertreten. Für den Kirchenkreis Verden nahm Anke Göbber aus dem Kirchenkreisvorstand am Gespräch teil.

Allein die Darstellung der gesamten Bandbreite von Beratung, Therapie und Prävention, die an zwei Standorten von etwa 20 Mitarbeitenden geleistet wird, ist beeindruckend. In den letzten Jahren ist neben der „klassischen“ Beratung bei Alkohol- oder Drogensucht das gesamte Feld der Mediensucht, also der exzessiven Mediennutzung bei Jugendlichen und auch Erwachsenen, hinzugekommen. Hier gehören neben einer Beratung vor allem auch Projekte zur Vorbeugung für Schulklassen und sogar in Kindertagesstätten zu den Angeboten. „Jede Schule oder Kita im Landkreis Verden kann sich an uns wenden, wenn sie in diesen Feldern Unterstützung sucht, zum Beispiel bei Elternabenden“, erläutert Heike Gronewold.

Beratung geschieht direkt vor Ort in den Räumen der Fachstelle und zunehmend auch online. „Wir beraten dann per E-Mail in einem geschützten Portal (www.deinesuchtexperten.de) oder auch per Videokonferenz und Telefon. Dieses Feld ist natürlich in der Corona-Zeit gewachsen“, beschreibt Kerstin Dohmeyer-Mehlan, die als Therapeutin in der Beratungsstelle in Verden tätig ist. „Unsere Gruppenarbeit musste wegen der Kontaktbeschränkungen lange ausfallen und ersatzweise haben wir dann viel telefoniert. Inzwischen können kleine Gruppen sich wieder treffen.“

Dörte Liebetruth, die als Vorsitzende des Gesundheits-und Sozial-Ausschuss des Kreistages die Arbeit der Fachstelle bereits kannte, war beeindruckt und dankte dem Team der Fachstelle Sucht und Suchtprävention für ihre wichtige Arbeit gerade in Pandemiezeiten, die durch Corona noch einmal erschwert wird. Auch Angebote für Seminare wie zum Beispiel zur Stressbewältigung oder Autogenes Training sind Corona momentan zum Opfer gefallen.

Beim bundesweiten Aktionstag geht es nicht nur um die inhaltliche Arbeit der Suchtberatung, sondern besonders auch um die Finanzierung dieser Arbeit. „Wir sind hier in der glücklichen Lage, dass unsere Arbeit sowohl vom Landkreis als auch vom Kirchenkreis sehr geschätzt und auch unterstützt wird. Das sieht bei anderen Beratungsstellen zum Teil sehr viel schwieriger aus, “ berichtet Heike Gronewold, Leiterin der Fachstelle. „Dennoch ist es auch bei uns nötig, immer wieder neue Ideen zur Finanzierung einzelner Projekte zu entwickeln, weil die regelmäßigen Zuschüsse, zum Beispiel vom Land Niedersachsen, nicht mit den Tariferhöhungen mitwachsen. Wenn wir unsere qualifizierten Mitarbeiterinnen halten wollen, müssen wir da immer wieder mit Projekten überbrücken. Wir würden uns zum Beispiel freuen, endlich die Zusage des Bundes für Mittel aus dem Präventionsgesetz zu bekommen.“

Ein solches Projekt war zum Beispiel Re:Set, ein Projekt zur Beratung über exzessiven Medienkonsum, das vom Land Niedersachsen für drei Jahre finanziert wurde und das jetzt ausgelaufen ist. „Das Thema Mediennutzung ist allerdings durch Corona und die Zeit des Home-Schooling eher stärker geworden,“ weiß Heike Gronewold, „und deshalb wäre es wichtig, hier die gute begonnene Arbeit in der Beratung und Prävention weiterführen zu können und dafür benötigen wir eine weitere Finanzierung.“

Dörte Liebetruth gehört im Landtag dem Ausschuss für Haushalt und Finanzen an und wies darauf hin, dass auch bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt Gelder für Präventionsprojekte beantragt werden können, mit denen Medienkompetenz gefördert wird. Sie machte darauf aufmerksam, dass heute insgesamt 300.000 Euro mehr für Suchtprävention und Suchtberatung im Landeshaushalt vorgesehen sind als noch 2017. Im Haushaltsentwurf der Landesregierung sei immerhin vorgesehen, dass diese Summe 2021 stabil gehalten wird, so Liebetruth. Sie regte an: „Wenn bei den Fachstellen für Sucht und Suchtbekämpfung in der aktuellen Lage coronabedingte Sonderbedarfe an Finanzmitteln entstehen, sollte das deutlich gemacht werden. Bei Sonderbedarfen durch Corona bietet sich zumindest eine Chance, möglicherweise auch Mittel aus dem Corona-Sondervermögen des Landes mobilisieren zu können.“

Neben den Mitteln des Landkreises und des Kirchenkreises, von Krankenkassen und Rentenversicherungen gehören Projektmittel bis hin zu Geldern aus der Aktion Mensch zu den Mitteln, die in aufwändigen Antragsverfahren durch die Fachstelle eingeworben werden müssen

Über die Arbeit der Fachstelle kann man sich ausführlich informieren unter: www.suchtberatung-achim-verden.de

Bild (Dierolf): von links nach rechts:
Anke Göbber, Dr. Dörte Liebetruth, Heike Gronewold, Kerstin Dohmeyer-Mehlan

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